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Süddeutsche Zeitung, 23.05.2020

 


Süddeutsche Zeitung 13-05-2020
Süddeutsche Zeitung 23.05.2020 (Doppelklick vergrößert evtl. Darstellung)

hier eine Abschrift des Artikels, weil der originale Scan auf kleinen Displays kaum lesbar ist:

MUSIK FÜR DIE ZUKUNFT

- Komponist Rainer Bartesch aus Pöcking hat ein Oratorium geschrieben, das Greta Thunbergs Klimaproteste aufgreift -

 Pöcking – Rainer Bartesch hat ein neues, 23-minütiges Oratorium zu einem brandaktuellen Thema komponiert. Nein, es geht nicht um Corona, sondern um den Klimawandel. Die Erderwärmung schreitet vom Lockddown unbeeindruckt voran, Gletscher und Polkappen schmelzen weiter. Inzwischen hat sich auch die Politik wieder daran erinnert, dass es auch noch ein anderes Problem gibt neben der Pandemie, das gravierende Folgen haben wird, wenn wir nicht sofort handeln.

Damit das Thema im Bewusstsein bleibt, hat der in Maising lebende Komponist das Werk geschrieben. Es trägt inzwischen den neuen Arbeitstitel „Our World is on Fire“, frei nach einem Satz aus der Rede der schwedischen Umweltaktivistin Greta Thunberg, die sie auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hielt. Mehrere Passagen dieser Ansprache finden sich im „An Oratorio-for-our-Future“, das ursprünglich Fridays-for-Future-Oratorium heißen sollte, „weil sie die Sache sehr gut auf den Punkt bringt“, so Bartesch, allerdings jetzt nur noch sinngemäß. Gerne hätte er Thunberg direkt zitiert, doch die Schülerin sei von Agenturen in Beschlag genommen, deren Auflagen strikt seien.

Der Komponist steht hinter der Fridays-for-Future-Bewegung. Er mischt und diskutiert gerne mit. Was Greta Thunberg in Davos sagte, kann er mit unterschreiben.

Klimarettung ist auch sein Anliegen, das gerade durch den Lockdown vor der einzigartigen Chance stehe, mit einem wohldurchdachten Neustart endlich durchzudringen. Ein Weiter-wie-zuvor dürfe es jedenfalls nicht geben, darüber sind sich alle Klimaaktivisten einig. Die Diskussion über das Wie ist längst entbrannt.

Aber nicht nur Thunbergs Ideen finden sich im Libretto der Komposition, die ein „Oratorium von der Form her“ ist, wie Bartesch sagt. Durchaus ein sakrales, denn den englischen Texten stehen Worte in Italienisch von Franz von Assisi aus dem 13. Jahrhundert gegenüber. Sie bringen mit dem eindringlichen Sonnengesang, der Lobeshymne auf die Schöpfung, die Thematik auf eine philosophische Ebene.
Damit alles unter dem thematischen Bogen einen einheitlichen Sinn ergibt, fügte der Librettist Danny Antonelli, ein Multilingualer Globetrotter aus Triest (Italien), seine eigenen Worte hinzu, die aus der gegenwärtigen Perspektive heraus konsum- und wachstumskritisch provozieren. Beispielsweise heißt es da: „Lasst die Schuldner bluten, / reduziert eure Ausgaben radikal / zieht die Profite ab / streicht die Verluste / seid die Inhaber / seid der Boss!“
Ein so charakteristisches Werk hat kaum Vorläufer, auf die sich Bartesch musikalische hätte stützen können. Es war „nicht so leicht, eine Struktur zu finden, die angemessen, aber nicht zu popartig ist“, sagt er zur formalen Problematik.
Erschwerend kam hinzu, dass die Bestimmung der No- Budget- Arbeit bestimmte Vorgaben mit sich brachte. Denn ein Münchner Chor, der Barteschs „Tyroler Requiem“ aufführen will, bat zur Ergänzung um ein weiteres Werk in gleicher Besetzung. Das heißt: zwei Solisten, großer gemischter Chor, Stubenmusik, kleines Blasorchester, vier Schlagzeuger und Orgel. Eine farbenreiche Besetzung, der Bartesch effektvolle Wirkungen abgewinnt.
Die elektronisch generierte Demo-Version stellte der Komponist online, wo sie nach wenigen Stunden 160 Zugriffe verzeichnete. Aktueller Stand: fast 500. Bei dem Werk handelt es sich nicht um eine avantgardistische Schöpfung. Barteschs filmmusikalischer Background ist deutlich herauszuhören.

Studiert hatte es zunächst Waldhorn, er spielte anschließend vier Jahre lang in Orchestern, so auch unter Giuseppe Sinopoli im Orchester der Dresdner Semperoper.

Als passionierter Volksmusikant und Jazzmusiker gab es da aber auch das zweite Standbein mit Horn und Alphorn. Technikaffin baute er zudem ein Studio auf. An die Hochschule für Musik kehrte Bartesch zunächst in die Klasse für Lehramt an Gymnasien zurück, um gleich auch die Chance zu ergreifen, in die neu eingerichtete Filmmusikklasse einzusteigen. Beim Dirigieren und Komponieren war er nun endlich am Ziel angelangt, all seine Fähigkeiten und Interessen einsetzen zu können, die er dann auch fünf Jahre lang als Dozent an der Hochschule vermittelte.

Mittlerweile kann Bartesch auf einen großen Werkkatalog verweisen: Gut hundert Filmmusiken hat er geschrieben, unter anderem für Matthias Kiefersauers Komödie „Falsche Siebziger“ und Jens Schanzes „La Buena Vida- Das Gute Leben“, dazu E-Musik, ob für Solisten, Chöre oder Orchester, und Jazz und Popsongs.
Unter den eingeheimsten Auszeichnungen findet sich der erste Preis beim Kompositionswettbewerb Paradisi Gloria des Bayerischen Rundfunks für Neue sakrale Musik, den er 2007 mit seinem „Magnificat in modo moventium picturarum“ errang.

Bei dem Oratorium geht es Bartesch nicht nur um die Musik, sondern auch um ein Werk, „das Anstöße geben kann“. Zwei Münchner Filmemacher haben schon Interesse angemeldet, Bilder zur Komposition zu schaffen. Geplant sind verschiedene Formate, etwa für Konzerte mit Videozuspielung, für eine Installation in Planetarien oder für ein Virtual-Reality-360-Grad-Musikvideo, das mit einer VR-Brille angeschaut werden kann.
Eine spezielle Codierung soll die Prioritäten so setzen, dass sich der abgespielte Film in der Geschwindigkeit der live gespielten Musik anpasst.

Our World is on Fire“ soll am 14. November dieses Jahres in der Münchner Himmelfahrtskirche vom Maria-Ward-Chor unter der Leitung von Thomas Baron uraufgeführt werden. Sofern es die Corona-Beschränkungen denn erlauben.

Reinhard Palmer

 



Münchner Merkur, Lokalteil Starnberg, 04.08.2020


Merkur-Portrait


Transkription des Artikels im Merkur vom 4.8.2020 

VON FRANZ VON ASSISI BIS GRETA THUNBERG:
Maisinger komponiert Klimawandel-Oratorium

Rainer Bartesch aus Maising spielt 40 Instrumente. Nun hat er ein Stück komponiert, in dem auch Aktivisten von Fridays-for-Future zu Wort kommen: ein Klimawandel-Oratorium.

Maising – Er liebt die Ruhe, das Eingebettetsein in die Natur. Dort fühlt er sich gleichwertig, als Teil des Ganzen. Der Komponist und Musiker Rainer Bartesch lebt seit 2012 in Maising, in einem Ort mit „intensiver Dorfgemeinschaft“ wie er sagt. Hier fühlt er sich wohl mit seiner Familie, hier ruht er in sich. Vor allem in seinem Garten, der einen Blick über Wiesen und zur alten Mühle ermöglicht. Bartesch hat nun ein Klimawandel-Oratorium fertiggestellt, das am 14. November in München unter der Leitung von Thomas Baron uraufgeführt wird.

„Our World is on Fire“ („Unsere Welt steht in Flammen“) entstand während des Lockdowns, als ihm 50 Konzerte abgesagt wurden. So steckte er seine Zeit und Energie in ein knapp halbstündiges Werk für den Maria-Ward-Chor aus Nymphenburg. Ein dramatisches Werk, das das Bewusstsein für den Ernst der Lage der Welt schärfen, aber auch Hoffnung wecken soll. Knabensopran, Chor und 20 Instrumentalisten verleihen dem Anliegen der Fridays-for-Future-Bewegung eine starke Stimme und spannen einen Bogen von Franz von Assisi zu Greta Thunberg.

Auch Fridays-for-Future-Aktivisten singen mit. Die besondere Besetzung ist einem zweiten Werk geschuldet: ein Tyroler Requiem. Komponiert wurde es im Auftrag von Barteschs ehemaligem Schlagzeuglehrer Manfred Trauner, der ihm auferlegt hatte, das Stück sollte Stubenmusik, Alphörner, Blasmusik enthalten und auch für vier Schlagzeuger, Orgel Solotenor und Knabensopran geschrieben sein. Alpenländisch sollte es klingen.
Andachtsjodler, Volkslieder, das Andreas-Hofer-Lied (Tirols Nationalhymne) und die Marseillaise sollten zitiert werden. „Ein bunter Teppich“, sagt Bartesch und lacht.

Bartesch hat mehr als 100 Filmmusiken geschrieben

Im November erlebt das Werk seine 13. Aufführung. Es steht in der Tradition der Parodiemessen, bei der seit der Renaissance bekannte Melodien mit einem geistlichen Text ins Sakrale übertragen werden. Solche Herausforderungen nimmt der Film- und Theaterkomponist, Dirigent, Musiklehrer, Mozartfan und Musiker, der 40 Instrumente beherrscht, gerne an. Er hat über 100 Filmmusiken geschrieben, Kompositionen wie „Nirgendwo in Afrika“ oder „Der Junge muss an die frische Luft“ dirigiert, er war in großen Schulprojekten eingebunden, auch in der Montessorischule in Starnberg, wo er mit 120 Grundschülern eine Uraufführung erarbeitet hat. Er hat Theatermusiken geschrieben und ist stolz, dass er Midas Dingemanse, Preisträger bei „Jugend musiziert“, als Talent entdeckt hat.


Aufgewachsen im Raum Schongau nahe einer Papierfabrik, die mit Tonnen von Schwefeldioxid die Natur verseuchte, engagiert sich Bartesch seit seiner Jugend im Natrurschutz. Schon mit 17 Jahren hielt er einen dreistündigen Vortrag über das Waldsterben. Er marschierte bei den Protesten in Wackersdorf mit, fotografierte die Symptome des Baumsterbens und fing nach der Schule ein Chemiestudium an, um sich für die Umwelt einzusetzen. Gegen den Willen seiner Eltern. Sie sahen ihn als Musiker, der aber hatte Scheu vor einer Dauerbewährungsprobe auf der Bühne.

Emotionaler Höhepunkt: Eine Dame fällt ,„von Musik überwältigt“, in Ohnmacht

Die Leidenschaft packte ihn trotzdem. Mit zwölf Jahren spielte er Trompete und Horn in der Blaskapelle, mit 14 entdeckte er die Gitarre. Er spielte in einer Pop-band, rockte in der Kirche, nahm an Jugendwallfahrten in die Wieskirche teil und hatte dort sein prägendstes Erlebnis: Eine Dame fiel, „von Musik überwältigt“, in Ohnmacht. Da war sie, die Macht der Musik, der emotionale und intellektuelle Zugang zu tieferen Schichten des Bewusstseins. All das will er mit seinen Kompositionen erreichen. Bartesch erzählt von seinem Stücke „Gletscher-Atem“ für Alphorn und Streicher, bei dem das Publikum an Ende im gleichen Rhythmus atmet wie die Musik. „Es findet eine Synchronisierung statt – ein menschliches Grundbedürfnis“. Und dann fällt noch der Satz „Jedes Ego stört beim Komponieren“.

Als Filmkomponist, der für Regisseure wie Marcus H. Rosenmüller, Matthias Kiefersauer, Stefan Betz und Fernsehserien wie „Weingut Wader“ die Musik geschrieben hat, der für das Fünf-Seen-Filmfestival Filme sichtet und gerade ein Musikvideo mit 150 Schülern des Münchner Klenze-Gymnasiums zusammenmontiert, beherrscht er das Zusammenspiel von Film und Musik wie im Schlaf.

Momentan ist er auf Sponsorensuche, versucht ein video zum Klima-Oratorium zu finanzieren, um die Wirkung nochmal zu steigern. Und auch Sänger für das Konzert im November seien willkommen. Genau wie Musiker, die das Werk woanders aufführen wollen.

Astrid Amelungse-Kurth


 
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